Short Storiez
Der Detektiv und der nächtliche Anruf
Veröffentlicht : April 3, 2009 um 23:05 Uhr

Autor : Alex Reinhardt

Es war einer dieser Nächte in der Privatdetektiv Michael Evert einen extrem unruhigen Schlaf hatte. Vielleicht war es doch einfach ein Glas Whiskey zu viel, vielleicht lagen ihm aber auch die Muscheln quer im Magen. So wälzte sich Evert nun schon seit Stunden in seinem Bett und hatte die wildesten Träume.

Es klingelte und er war sich nicht sicher ob er es nur geträumt hatte, oder ob sein Telefon wirklich sturm klingelte. Schweiß gebadet schreckte er hoch, suchte lethargisch nach seinem Handy. Er blickte auf die eingeblendete Nummer, aber sie sagt ihm nichts, außer, dass es ein Ortsgespräch war. „Wer in aller Welt aus Essen ruft nachts um 3 Uhr bei einem Privatdetektiv an?“

Der Anruf
Er drückte auf Annehmen und sagte seinen Standardspruch „Detektei Essen, Evert am Apparat, womit kann ich Ihnen behilflich sein?“. Am anderen Ende der Leitung hörte er nur ein schluchzen und konnte eine Frauenstimme vernehmen, die aber nicht in der Lage war, sich wirklich klar und deutlich auszudrücken. „Ganz ruhig – Atmen Sie einmal durch und dann erzählen Sie mir, worum es geht.“ Schluchzend kamen die Antworten „Mein Mann – er tut es wieder – und ich weiß nicht weiter, aber ich will endlich Gewissheit haben – helfen Sie mir, bitte“. „Was tut Ihr Mann und wie kann ich Ihnen helfen?“

Völlig aufgeregt und hektisch kamen die Wörter „Finden Sie Ihn – Stellen Sie ihn, ich will endlich Gewissheit haben“. Inzwischen war Privatdetektiv Evert einigermaßen wach, auch wenn sein Magen immer noch rebellierte. „Okay gute Frau, wir können uns treffen, sagen Sie mir nur wo und ich komme hin.“ Nach einer kurzen Atempause sagt die Frau „Kennen Sie das Schlosshotel in Essen, können wir uns da in 20 Minuten treffen?“. „Kein Problem“ erwiderte Evert – ich mach mich gleich auf den Weg.

War der Anruf Wirklichkeit oder Träume ich noch
Die Frau legte auf und Evert war sich nicht sicher, ob er das wirklich erlebt hat, denn sowas ist ihm in seiner 20 Jährigen Laufbahn als Detektiv noch nicht vorgekommen, weder in seiner alten Detektei in Stuttgart noch hier in Essen. Er suchte seine Kontaktlinsen, drückte sie sich in die Augen, zog seine Jeans und ein frisches Hemd an – „Zähneputzen wäre nicht schlecht und danach noch ein Whiskey zum Munterwerden“ dachte er sich. Dann fuhr er mit dem Fahrstuhl in die Tiefgarage, zückte seinen Schlüssel und stieg in seinen Aston Martin Vanquish ein – der einzige Luxus den er sich gönnte. Beim Starten des Astons dachte er nur „Warum tue ich es mir noch an – ich habe soviel Geld verdient, dass ich mir noch locker einen Lamborghini Gallardo und einen Ferrari F430 leisten könnte? Aber soll ich mit 57 Jahren schon wirklich nur noch Golf spielen und langweilige Geschichten von Schönheitschirurgen anhören? Nein auch wenn mein Job nicht immer wirklich spannend ist – zum alten Eisen und nur Lifting und Botox als Lebensinhalt zu haben ist nicht mein Ding. Vielleicht wird das heute ja spannend.“

Er fuhr aus der Tiefgarage und bog in die Hauptstraße ein. Die geile Beschleunigung des Vanquish war normalerweise ein Highlight, aber die verdammten Muscheln ließen ihn das Gefühl der Freiheit nicht wirklich genießen. 10 Minuten später erreichte er das Schlosshotel Essen und schon von weitem sah er eine völlig verzweifelte Frau. „Wow, die ist aber attraktiv“, war sein erster Gedanke „ wenn ich der nicht helfen kann, fallen mir noch einige andere Dinge ein, bei denen ich ihr vielleicht helfen kann“. Er verwarf den Gedanken, parkte seinen Aston Martin und ging zu ihr rüber. „Martin Evert und Sie sind?“. „Ich heiße Carla Diamond und danke dass Sie mir helfen.“ Was für ein komischer Name dachte sich Detektiv Evert, aber vielleicht wird mir der Job nicht nur ein paar Cents und eine schlaflose Nacht einbringen. „Also wobei kann ich ihnen helfen?“. Die junge Frau sah immer noch völlig aufgelöst aus und stammelte „Sie müssen meinen Mann zur Rede stellen, ich ertrage es nicht mehr – diese ständigen Lügen. Sie müssen wissen er ist Schönheitschirurg und er hat ständig Frauen, die von Ihm Hilfe haben wollen.“

Die attraktive Frau
Evert kratzte sich am Kinn und grübelte „Warum machen Sie sich denn sorgen – wenn Frauen von ihren Mann Hilfe suchen, dann können sie nicht annähernd so attraktiv wie sie sein, denn sonst würden sie sich keinen Schönheitschirurgen suchen.“ Er sah ihr in die Augen und konnte die Verzweiflung förmlich sehen. Sie fiel ihm in die Arme und schluchzend brachte sie nur noch „Doch, das geht seit Monaten so und er ist immer wieder Abends verhindert und hat Auswärtstermine. Aber Letzens habe ich eine Rechnung vom Schlosshotel Essen gefunden und seitdem bin ich so misstrauisch.“

Evert dachte sich „Wieder einmal eine der üblichen Geschichten“, sah die verzweifelte Frau an und da sie ihm gefiel schlug er folgendes vor „Gute Frau, kein ‚ Problem – ich gehe rein und spräche mit Ihrem Mann und machen Sie sich mal keine Gedanken – die entstandenen Kosten stellen ich meiner Detektei in Rechnung.“ Sie nannte ihm den Namen ihres Ehemannes, er ging in die Empfangshalle und direkt zur Rezeption. Er klingelte nach dem Nachtportier und einen Augenblick später erschien selbiger. „Ich muss dringend meinen Bruder sprechen – Mathias  Bäcker, es ist wichtig – unserer Mutter ist etwas Schreckliches widerfahren und ich kann ihn an seinem Handy nicht erreichen.“ „Zimmer 1408“ war seine Antwort.

Die Ungewissheit
Ich ging los, nahm den Fahrstuhl und fuhr in den vierten Stock. „Was auch immer mich erwartet, aber was soll es, deshalb bin ich ja Detektiv geworden und nicht so ein langweiliger Arzt…“. Ich stand vor Zimmer 1408 und überlegte, ob ich klopfen sollte. Nach einem kurzen Zögern tat ich es und klopfte gegen die Tür. Ich musste nicht lange warten und die Tür wurde geöffnet und ein völlig verwirrter Mann stand mir gegenüber. „Das soll „der Schönheitschirurg in Essen“ sein????“.

Der Mann sah mich ängstlich an und fragte „Was wollen Sie?“. Ich überlegte kurz und kam zu dem Entschluss, dieses Mal sage ich als Privatdetektiv einfach mal die Wahrheit. „Ich bin Privatdetektiv Michael Evert und Ihre Frau hat mich vorhin völlig verzweifelt angerufen und daher stehe ich nun hier vor ihrer Tür.“ Er sah mich an und beugte sich vor und flüsterte „Sagen Sie meiner Frau, ich tue das alles nur für uns und unser Leben.“ Ich sah ihn wohl völlig verwirrt an und daher vollendete er seinen Satz „Ich bekam vor 3 Monaten Besuch einer Frau, die eine Schönheitsoperation haben wollte- ich straffte ihr Lider, vergrößerte Ihren Busen, aber ihr Mann war alles andere als zufrieden und drohte mir und seitdem erpressen die beiden mich mit Sex.“

Ich sah ihn verständnislos an und er schien meine Fragen zu spüren. „Ich weiß selber nicht, wie ich darein geraten bin, aber die haben mich in der Hand, mir ist wirklich ein kleiner Fehlerunterlaufen und bevor ich meine Karriere und die Ehe und Liebe zu meiner Frau aufs Spiel setze, dachte ich mir, ich kann das irgendwie so lösen, aber das Pärchen ist zu allem im Stande.“

Ich staunte und brachte kein Wort heraus. „Sagen Sie meiner Frau, ich liebe Sie und tue das alles nur für unsere Zukunft und es gibt niemanden auf der Welt, für den ich mehr empfinde.“ Ich stammelte „okay, das klingt alles komisch und ich rate Ihnen zur Polizei zu gehen“. „Ja ich weiß, aber ich kann nicht – die Liebe und Zukunft meiner Frau und mir steht auf dem Spiel – verstehen Sie das und erzählen Sie es meiner Frau!!“.

Der Augenblick der Wahrheit

Ich nickte drehte mich um und sah plötzlich die grüne Digitalanzeige meines Weckers – 3:54 Uhr – ich wachte auf – rieb mir die Augen, blickte auf die andere Seite des Bettes, sah meine Frau schlafen und das einzige was mir in den Sinn kam war „Warum glaubst Du, Du wärest nicht mehr Begehrenswert – ich liebe Dich seit 37 Jahren und auch wenn Du ein paar Falten bekommen hast – jede Falte habe ich mit Dir erlebt und werde auch am Ende gemeinsam mit Dir die Hände falten.“

Ich sah sie an und mir wurde klar – „Morgen muss ich mit ihr Sprechen und sagen, dass Sie die schönste und tollste Frau auf Erden ist.“ Ich legte meinen Arm um sie und schlief glücklich ein, glücklich in dem Gedanken, dass dieser Auftrag nur ein Traum war.

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